Die häufigsten Fehlerquellen bei eAU
Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung läuft über KIM. Das bedeutet: damit die eAU rausgeht, müssen Konnektor, KIM-Dienst, SMC-B-Karte und PVS alle gleichzeitig funktionieren. Wenn eines davon stockt, hängt die Übermittlung.
Abgelaufene SMC-B-Karte. Die häufigste Ursache in der Praxis. Die Karte hat ein aufgedrucktes Ablaufdatum, das im Alltagsstress übersehen wird. Wenn die Karte abläuft, bricht KIM ohne deutliche Fehlermeldung weg. Das PVS meldet oft nur „Übermittlung fehlgeschlagen", ohne den genauen Grund zu nennen.
KIM-Dienst nicht erreichbar. Das KIM-Client-Modul läuft als Hintergrunddienst. Wenn dieser Dienst abgestürzt ist oder nicht gestartet wurde (etwa nach einem Server-Neustart), gehen keine KIM-Nachrichten raus. Die eAU-Funktion im PVS wirkt dabei normal, scheitert aber beim Absenden.
PVS nicht auf aktuellem KIM-Stand. Nach Updates der TI oder des KIM-Anbieters brauchen manche PVS-Versionen ein eigenes Update, um mit den neuen Schnittstellen zu sprechen. Medistar, Turbomed und Z1 liefern dafür regelmäßig Patches. Wenn das Patch fehlt, schlägt die eAU-Übermittlung mit einer kryptischen Fehlermeldung fehl.
Die häufigsten Fehlerquellen bei eRezept
Das eRezept läuft nicht über KIM, sondern über den gematik-Fachdienst. Das ist eine eigene Infrastruktur, die der Konnektor über die TI anspricht. Fällt der Konnektor aus, funktioniert beides nicht: eAU und eRezept.
Konnektor-Update nicht synchron mit PVS. Wenn der Konnektor auf eine neue Firmware aktualisiert wurde, aber das PVS noch eine ältere TI-Schnittstellenversion unterstützt, kann das eRezept-Modul den Fachdienst nicht mehr korrekt ansprechen. Typisches Symptom: eRezepte ließen sich gestern noch erzeugen, heute nicht mehr. Gleichzeitig kein anderer Fehler sichtbar.
Fehler 4001 und verwandte Codes. Dieser Fehlercode signalisiert, dass der gematik-Fachdienst nicht erreichbar ist. Häufige Ursachen sind ein unterbrochener VPN-Tunnel im Konnektor, eine geänderte Firewall-Regel oder ein DNS-Problem im Praxisnetz. Die Lösung beginnt immer mit dem Konnektor-Status, nicht mit dem PVS.
Komfortsignatur abgelaufen oder nicht aktiv. Das eRezept muss signiert werden. Wenn die Komfortsignatur aktiv ist und ihre Sitzung abgelaufen ist, wird das Rezept nicht erzeugt. Das PVS gibt dabei manchmal keinen Hinweis. Die Lösung: HBA-Karte neu einlesen und Komfortsignatur-Sitzung neu starten.
Quelle: gematik Fachportalgematik Fachportal: Technische Dokumentation eRezept und Fehlercodes.
Ersatzverfahren rechtssicher anwenden
Wenn eAU oder eRezept nicht funktioniert, ist das Ersatzverfahren keine Notlösung zweiter Klasse. Es ist ausdrücklich vorgesehen.
eAU-Ersatzverfahren. Sie stellen die Arbeitsunfähigkeit auf dem Papiervordruck Muster 1 aus. Der Patient erhält seinen Durchschlag wie gewohnt. Die Praxiskopie geht in die Akte. Im Patientenakteneintrag notieren Sie Datum, Uhrzeit und Grund der Störung. Das reicht als Dokumentation.
Sobald die TI wieder läuft, können Sie rückständige eAU nachträglich digital übermitteln. Die Frist dafür beträgt drei Werktage nach Behebung der Störung.
eRezept-Ersatzverfahren. Sie schreiben das Rezept handschriftlich auf Muster 16 aus. Stempel und Unterschrift, wie vor 2022. Der Patient bringt das Papier in die Apotheke. Die Apotheke beliefert wie gewohnt. Auch hier gilt: Störung dokumentieren.
Komfortsignatur richtig einsetzen
Die Komfortsignatur erlaubt es, eRezepte über eine bestimmte Zeit ohne wiederholte PIN-Eingabe zu signieren. Das spart Arbeitszeit, bringt aber eine Tücke mit.
Die Sitzung läuft nach einer konfigurierten Zeitspanne ab. Je nach Konfiguration sind das oft 20 Minuten, manchmal bis zu mehreren Stunden. Wenn die Sitzung abläuft, muss die PIN neu eingegeben werden, um die Signatur freizuschalten. Manche PVS zeigen das klar an, andere nicht.
Wer die Komfortsignatur nutzt, sollte wissen: Die Sitzung ist an die HBA-Karte gebunden. Wenn der Arzt die Karte zieht (zum Beispiel beim Verlassen des Raumes), ist die Sitzung sofort beendet. Das ist kein Fehler, sondern Sicherheit.
Für Praxen mit mehreren Ärzten gilt: Jeder Arzt hat eine eigene HBA-Karte und eigene Komfortsignatur-Sitzung. Es gibt keine gemeinsame Sitzung.
Wann eine Ursachenanalyse Pflicht ist
Einzelne Ausfälle passieren und sind kein Problem. Wenn aber dasselbe Problem wiederholt auftritt (zum Beispiel der Konnektor verliert jeden Montag morgen die TI-Verbindung, oder die SMC-B-Karte macht alle drei Wochen Probleme), dann ist eine Ursachenanalyse sinnvoll und aus Sicht der KBV-IT-Sicherheitsrichtlinie auch dokumentationswürdig.
Eine gute IT-Betreuung führt ein Störungsprotokoll je Praxis. Wenn dasselbe Problem dreimal in vier Wochen auftaucht, eskaliert das auf eine tiefergehende Analyse: Netzwerkstabilität, Kartenleser-Hardware, Konnektor-Firmware-Version, PVS-Patchstand.
Bei ITCC-betreuten Praxen läuft das automatisch. Wenn der Konnektor-Monitor zweimal innerhalb kurzer Zeit einen Ausfall registriert, bekommt der technische Lead eine Meldung und schaut sich den Fall an, bevor Sie anrufen müssen.
Quelle: KBV IT-Sicherheitsrichtlinie (§75b SGB V)KBV IT-Sicherheitsrichtlinie: Anforderungen an Protokollierung und Störungsmanagement.
Häufige Fragen
Verwandte Themen
- TI und KonnektorKIM in der Arztpraxis einrichten: Anbieter, Schritte, Stolperfallen
Wie Sie KIM (Kommunikation im Medizinwesen) in vier Schritten einrichten. Anbieterauswahl, PVS-Integration, häufige Fehler beim ersten Versand.
- TI und KonnektorTI-Konnektor offline: Sofortmaßnahmen für die laufende Sprechstunde
Was Sie tun, wenn der TI-Konnektor in der Sprechstunde ausfällt. Drei Sofortmaßnahmen, Ersatzverfahren für eAU und eRezept, die häufigsten Ursachen.
- TI und KonnektorTI-Konnektor: Cloud oder lokal? Eine Entscheidungshilfe
Cloud-Konnektor oder lokales Gerät? Fünf Entscheidungskriterien, Kostenvergleich, Empfehlungen nach Praxistyp.