Was lokaler und Cloud-Konnektor genau bedeuten
Der lokale Konnektor ist ein physisches Gerät im Format einer kleinen Box oder eines kleinen Routers. Es sitzt im Serverschrank oder Technikraum der Praxis, baut von dort den VPN-Tunnel zur Telematikinfrastruktur auf und stellt sicher, dass PVS und Kartenlesegeräte mit der TI kommunizieren können. Bekannte Hersteller sind Secunet (secunet konnektor), RISE, KoCo Connector und Compugroup Medical (CGM-Konnektor).
Der Cloud-Konnektor macht technisch dasselbe, läuft aber nicht in der Praxis, sondern in einem Rechenzentrum des Anbieters. Die Praxis selbst braucht keine zusätzliche Hardware. Sie verbindet sich über das Internet mit dem gehosteten Konnektor, der dann den TI-Tunnel übernimmt.
Beide Varianten sind gematik-zugelassen. Beide erfüllen die Datenschutzanforderungen, sofern der Anbieter zertifiziert ist. Der Unterschied liegt in Betrieb, Kosten und Anfälligkeit.
Die fünf Entscheidungskriterien
| Lokaler Konnektor | Cloud-Konnektor |
|---|---|
Pro
| Pro
|
Contra
| Contra
|
Kriterium 1: Internetqualität am Standort. Eine Praxis mit Glasfaser und redundanter Verbindung hat hier kein Problem. Eine Praxis in einer Altbau-Etage mit DSL 16 Mbit und gelegentlichen Aussetzern sollte das ernst nehmen.
Kriterium 2: Anzahl Arbeitsstationen. Bei mehr als acht Kartenleseplätzen oder zwei Betriebsstätten spricht das für einen lokalen Konnektor mit zentraler Steuerung.
Kriterium 3: Vorhandene Infrastruktur. Wer schon einen dedizierten Server betreibt, hat ohnehin Wartungsaufwand. Der zusätzliche Aufwand für den lokalen Konnektor ist dann gering.
Kriterium 4: Umzüge und Wachstum. Cloud-Konnektoren folgen der Praxis ohne Hardwarelogistik. Wer häufig wächst oder Standorte hinzufügt, spart sich Aufwand.
Kriterium 5: Kostenrahmen. Wer einmalig investieren kann und langfristig plant, fährt mit dem lokalen Gerät günstiger. Wer laufende Kosten bevorzugt und keine Investitionsreserve hat, wählt Cloud.
Kostenstruktur im direkten Vergleich
| Praxis | Setup einmalig | Pauschale monatlich |
|---|---|---|
Einzelpraxis, 3 Arbeitsplätze Cloud-Konnektor als Alternative: 55 bis 80 Euro/Monat, keine Hardware | Lokaler Konnektor: 800 bis 1.200 Euro Hardware + Einrichtung | 15 bis 30 Euro Wartung |
Gemeinschaftspraxis, 6 bis 10 Arbeitsplätze Cloud lohnt sich hier nur bei sehr guter Internetanbindung | Lokaler Konnektor: 1.000 bis 1.800 Euro Hardware + Einrichtung | 25 bis 50 Euro Wartung |
Mehrstandort-Praxis oder MVZ Cloud-Lösung kann Komplexität reduzieren, aber Ausfallrisiko bündeln | Je Standort lokaler Konnektor oder zentraler Cloud-Konnektor | Abhängig von Anbieter und Standortzahl |
Orientierungswerte. Die tatsächliche Pauschale berechnet ITCC nach Infrastrukturanalyse.
Die Zahlen sind Orientierungswerte. Der tatsächliche Preis hängt vom gewählten Hersteller, dem Wartungsvertrag und davon ab, ob die Praxis bereits laufend IT-Betreuung hat.
Quelle: gematik Fachportalgematik Fachportal: Zugelassene Konnektoren und Cloud-Dienste.
Was beim Wechsel von lokal zu Cloud konkret passiert
Ein Wechsel ist möglich, aber er braucht Vorbereitung. Folgendes passiert typischerweise:
Das PVS muss auf den neuen Endpunkt umgestellt werden. SMC-B-Karte und HBA-Karten müssen dem neuen System bekannt gemacht werden, das läuft über den neuen Anbieter. Die alten TI-Zertifikate aus dem lokalen Gerät sind nicht übertragbar. Der Anbieter des Cloud-Konnektors stellt neue Zugangsdaten bereit und unterstützt die PVS-Konfiguration idealerweise direkt.
In der Praxis dauert ein sauber geplanter Wechsel drei bis fünf Stunden, wenn alles vorbereitet ist. Wer mitten in der Woche wechselt ohne Testlauf, riskiert eine Stunde Ausfall.
ITCC-Empfehlung nach Praxistyp
Für eine neu eröffnende Einzelpraxis mit stabilem Glasfaseranschluss empfehlen wir in der Regel den Cloud-Konnektor. Kein Hardware-Einstieg, planbare Kosten, wenig Wartungsaufwand.
Für eine Gemeinschaftspraxis oder Facharztpraxis mit bestehendem Server und mehr als sechs Kartenleseplätzen empfehlen wir den lokalen Konnektor. Die Hardware ist in zwei bis drei Jahren amortisiert, die Kontrolle bleibt vollständig in der Praxis.
Für Dialysezentren, kardiologische Praxen und ähnliche Einrichtungen mit spezialisierten Medizingeräten und komplexer Netzstruktur empfehlen wir grundsätzlich den lokalen Konnektor. Die Abhängigkeit von einer Drittanbieter-Infrastruktur ist dort ein zu großes Risiko.
Wenn Sie nicht sicher sind, welche Variante zu Ihrer Praxis passt: ITCC analysiert die Infrastruktur vor Ort und gibt eine konkrete Empfehlung. Das kostet keine Entscheidung, sondern schafft Klarheit.
Häufige Fragen
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