Wie ein Stundensatz-Modell wirklich funktioniert
Das Stundensatz-Modell klingt fair. Sie zahlen nur, wenn etwas getan wird. Der IT-Dienstleister kommt, löst das Problem, stellt Stunden in Rechnung. Kein Geld für Monate, in denen nichts passiert.
Das Modell hat einen strukturellen Nachteil, der erst sichtbar wird, wenn etwas wirklich schiefläuft. Der Dienstleister hat keinen wirtschaftlichen Anreiz, Probleme zu verhindern. Sein Umsatz entsteht durch Stunden. Je mehr Stunden, desto besser für ihn. Das klingt zynisch, ist aber die schlichte Logik des Modells.
In der Praxis bedeutet das: Präventives Monitoring, regelmäßige Updates und strukturierte Wartung sind beim Stundensatz-Modell selten im Interesse des Dienstleisters. Wer vorbeugend arbeitet, reduziert seine eigenen Einnahmen.
Hinzu kommen die Kosten im Schadensfall. Ein Ransomware-Angriff, ein Server-Crash oder ein Datenverlust bringt viele Stunden mit sich: Analyse, Wiederherstellung, Kommunikation, Dokumentation. Bei einem typischen Stundensatz von 90 bis 140 Euro für medizinische IT-Dienstleister in Deutschland können das schnell 1.500 bis 4.000 Euro werden, für einen einzigen Vorfall.
Wie eine Pauschale wirklich funktioniert
Eine monatliche IT-Pauschale schafft eine andere Anreizstruktur. Der Dienstleister erhält denselben Betrag, egal ob er zehn oder vierzig Stunden aufwendet. Das bedeutet: Sein wirtschaftliches Interesse liegt darin, Probleme zu verhindern statt zu beheben.
Eine gut gemachte Pauschale enthält deshalb proaktive Elemente: automatisiertes Monitoring, regelmäßige Updates, Patch-Management, Backup-Kontrolle. Alles Dinge, die beim Stundensatz extra berechnet werden oder gar nicht stattfinden.
Für die Praxis bedeutet das: Kosten sind jeden Monat gleich. Keine Rechnung, die überrascht. Keine Diskussion, ob eine Leistung innerhalb des Budgets war. Und wenn ein Problem auftritt, hat der Dienstleister den Anreiz, es so schnell wie möglich zu lösen, denn jede Stunde, die er investiert, geht von seiner Marge ab.
Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Pauschale ist aber groß. Eine Pauschale ohne definierte Reaktionszeit, ohne Leistungsverzeichnis und ohne Monitoring ist im Grunde ein Stundensatz mit einem Mindestbetrag. Sie zahlen jeden Monat, aber was Sie dafür bekommen, bleibt vage.
| Flatrate (monatliche Pauschale) | Stundensatz |
|---|---|
Pro
| Pro
|
Contra
| Contra
|
Welche Leistungen typischerweise nicht in der Pauschale sind
Jede ehrliche Pauschale hat Ausschlüsse. Die Frage ist nicht, ob etwas ausgeschlossen ist, sondern ob die Ausschlüsse klar im Vertrag stehen.
Hardware-Beschaffung und -tausch: Neue Geräte, Ersatz nach Defekt, Erweiterungen der Infrastruktur. Manchmal als Leasing-Modell integriert, manchmal separat berechnet.
Größere Einmalprojekte: Standortumzug, PVS-Migration, Einführung neuer Systeme, Netzwerk-Neuaufbau. Das sind projektorientierte Leistungen, die nicht in die laufende Betreuung passen.
Drittanbieter-Software-Support: Wenn das PVS ausfällt, arbeitet der IT-Dienstleister als Schnittstelle zum PVS-Hersteller, aber die tiefe Fehlersuche im PVS-System ist oft Sache des Herstellers und wird von diesem berechnet.
Schulungen und Workshops: Datenschutz-Unterweisungen für MFAs, IT-Sicherheits-Trainings, Onboarding neuer Mitarbeitender.
Compliance-Dokumentation erstmalig: Das erste Erstellen von §75b-Dokumenten, Berechtigungskonzepten oder DSGVO-Verzeichnissen ist Projektarbeit. Aktualisierung und Pflege können in der Pauschale sein, die Ersterfassung selten.
Wann ein Stundensatz-Modell sinnvoll ist
Es gibt Situationen, in denen der Stundensatz das richtigere Modell ist.
Sehr kleine Praxen mit einfacher Infrastruktur, also ein oder zwei Arbeitsplätze, Cloud-PVS, kein eigener Server, haben selten Ereignisse, die IT-Unterstützung erfordern. Hier ist eine monatliche Pauschale oft schlicht teurer als der tatsächliche Bedarf.
Sonderprojekte sind grundsätzlich stundensatz-geeignet, selbst wenn die laufende Betreuung pauschal organisiert ist. Ein Standortumzug, eine PVS-Migration oder die Einrichtung eines neuen Laborgeräts ist ein Projekt mit definiertem Anfang und Ende. Stundensatz oder Projektpreis sind dafür die richtige Abrechnungsform.
Auch für eine zweite Meinung zu einem konkreten Problem, einen technischen Audit oder eine einmalige Beratung ist der Stundensatz das natürliche Modell.
Worauf Sie im Vertrag achten müssen
Eine Pauschale ist nur so gut wie ihr Vertragstext. Fünf Punkte, die vor Unterschrift geklärt sein müssen:
Reaktionszeit: Wie lange dauert es, bis nach einer Meldung jemand erreichbar ist? Und wie lange bis zur tatsächlichen Arbeit am Problem? Diese Zeitangaben müssen im Vertrag stehen, nicht als Versprechen im Verkaufsgespräch.
Leistungsverzeichnis: Was ist genau eingeschlossen? Anzahl der Arbeitsplätze, Systeme, Anwendungen. Was passiert, wenn die Praxis wächst und ein neuer Arbeitsplatz hinzukommt?
Ausschlüsse: Was ist ausdrücklich nicht Teil der Pauschale? Ohne eine klare Ausschlussliste sind Diskussionen vorprogrammiert.
Verfügbarkeit: Zu welchen Zeiten ist der Dienstleister erreichbar? Gibt es einen Notfall-Kontakt für Ausfälle außerhalb der Sprechzeiten? Für Praxen, die morgens früh öffnen oder bei denen der erste Anmeldeprozess jeden Tag kritisch ist, ist das relevant.
Kündigungsfristen: Pauschalen haben typisch Laufzeiten von einem Jahr. Wie lang ist die Kündigungsfrist? Verlängert sich der Vertrag automatisch?
Häufige Fragen
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