Kosten und Wirtschaftlichkeit

Was ein IT-Ausfall in der Arztpraxis wirklich kostet

Direkte und indirekte Kosten eines IT-Ausfalls. Rechenbeispiele für Hausarzt, MVZ, Dialyse. Wie sich Ausfälle systematisch reduzieren lassen.

Aktualisiert am 12.05.2026Lesezeit 6 Min.

Was ein IT-Ausfall in der Praxis wirklich kostet

Die meisten Praxisinhaber schätzen die Kosten eines IT-Ausfalls zu niedrig ein. Der Gedanke ist: Wenn das System kurz weg ist, warten wir eben. Das stimmt für den ersten Moment. Aber der Schaden läuft weiter, auch wenn das System wieder läuft.

Ein Ausfall trifft eine Praxis auf drei Ebenen gleichzeitig. Die erste ist der sofortige Betriebsausfall. Die zweite ist der Nacharbeitsaufwand, der entsteht, sobald das System wieder läuft. Die dritte ist der Reputationsschaden, der sich nicht in Euro ausdrücken lässt, aber Patienten-Loyalität kostet.

Wer die Kosten eines Ausfalls kennt, trifft andere Entscheidungen bei der Ausstattung seiner IT. Monitoring, Backup und Redundanz wirken teuer, bis man sie einmal gebraucht hat.

Die drei Kostenkategorien

Kategorie 1: Direkter Verlust

Dieser Teil ist am einfachsten zu berechnen. Wenn das PVS nicht läuft, können keine Leistungen dokumentiert und abgerechnet werden. Termine können nicht sauber abgewickelt werden. In einer Hausarztpraxis mit 50 bis 70 Scheinen pro Tag bedeutet jede Ausfallstunde, dass ein Teil dieser Patienten nicht vollständig versorgt werden kann.

Der direkte Verlust bezieht sich nicht auf den Gesamtumsatz der Praxis, sondern auf den Honoraranteil, der von funktionierender IT abhängt. Das ist nicht 100 Prozent des Umsatzes, aber ein erheblicher Teil davon.

Kategorie 2: Nacharbeitskosten

Wenn das System wieder läuft, fängt die eigentliche Arbeit oft erst an. MFAs müssen Papiernotizen nacherfassen, Termine umnachhalten, Dokumentationslücken schließen. Das kostet Stunden, die nicht für die normale Patientenversorgung genutzt werden können.

Bei einem zweistündigen Ausfall mit drei MFAs, die je eine Stunde Nacharbeit haben, entstehen drei MFA-Arbeitsstunden Nacharbeitskosten. Diese Stunden sind bezahlt, aber ohne produktive Leistung. Zusätzlich können durch mangelhafte Notfallnotizen Fehler entstehen, die später Korrekturaufwand erzeugen.

Kategorie 3: Reputationsschaden

Das ist der schwierigste Teil. Patienten, die zweimal in Folge vor einem ausgefallenen System warten, wechseln. Überweisungen, die nicht rechtzeitig ankommen, weil KIM nicht funktioniert, hinterlassen Eindruck beim Kollegen. In einer Praxis, die vom Patientenstrom lebt, summieren sich diese kleinen Eindrücke.

Ein messbarer Proxy: Wenn eine Praxis durch IT-Probleme zehn Patienten pro Jahr verliert, die anderswo hingehen, und jeder Patient im Durchschnitt 200 Euro Jahreshonorar bringt, sind das 2.000 Euro Umsatzverlust pro Jahr, durch Reputation.

Rechenbeispiel: Hausarzt, MVZ, Dialyse

Kostenrahmen, Orientierungswerte
PraxisSetup einmaligPauschale monatlich
Hausarztpraxis (60 Scheine/Tag, 2 MFAs)
Direkter Honorarausfall ca. 300-500 Euro (anteilig), MFA-Nacharbeitszeit 2x1h = 2h, ca. 60-80 Euro Lohnkosten, verpasste Dokumentation mit Nacherfassung ca. 200-380 Euro Gesamtaufwand
Annahme: 2h Ausfall während SprechstundeOrientierungswert: 560 - 960 Euro pro Vorfall
Facharztpraxis Kardiologie (30-40 Patienten/Tag)
Höhere Einzelleistungswerte in der Kardiologie, Gerät-Integration ausgefallen, zusätzlich Befunddokumentation muss nachgeholt werden. Manche Untersuchungen können nicht nachgeholt werden.
Annahme: 3h Ausfall, EKG-Auswertung und PVS betroffenOrientierungswert: 900 - 1.800 Euro pro Vorfall
MVZ (3 Standorte, 15 Ärzte)
Multiplicator durch mehrere betroffene Ärzte und Standorte, Koordinationsaufwand, Kommunikation mit Patienten, Mehrfach-Dokumentationsnacharbeit
Annahme: 4h zentraler Server-Ausfall, alle Standorte betroffenOrientierungswert: 4.000 - 8.000 Euro pro Vorfall
Dialysezentrum (40 Patienten/Behandlungstag)
IT-Ausfall in der Dialyse betrifft primär die medizinische Sicherheit. Behandlungsparameter, Medikamentdosierungen, Alarmsysteme. Das ist keine Kostenfrage, sondern eine Patientensicherheitsfrage.
Annahme: 2h Ausfall, Geräte-Dokumentation betroffenFinanziell schwer bezifferbar, medizinisches Risiko dominant

Orientierungswerte. Die tatsächliche Pauschale berechnet ITCC nach Infrastrukturanalyse.

Hinweis zur Dialyse: Ein IT-Ausfall in einem Dialysezentrum ist eine andere Kategorie als in einer Hausarztpraxis. Wenn Geräte-Software oder Behandlungsdokumentation ausfällt, geht es nicht mehr primär um Geld. ITCC betreut mehrere Dialysezentren und weiß, dass Verfügbarkeit dort nicht verhandelbar ist.

Wie sich Ausfälle systematisch reduzieren lassen

Ausfälle lassen sich nicht auf null reduzieren. Aber Häufigkeit und Dauer lassen sich erheblich steuern. Die vier wirksamsten Maßnahmen:

Monitoring rund um die Uhr: Wenn ein System kippt, sollte das nicht die MFA am nächsten Morgen merken, sondern ein automatisiertes System, das sofort einen Alarm auslöst. Gutes Monitoring erkennt Probleme, bevor sie zu Ausfällen werden. Ein Festplattenfehler kündigt sich an, bevor die Festplatte stirbt. Ein Zertifikat läuft ab, bevor der Konnektor offline geht.

Redundanz an kritischen Stellen: Nicht jedes System braucht redundante Hardware. Aber der Internetzugang, der Konnektor und der Backup-Weg sollten nicht single points of failure sein. Eine zweite Internet-Verbindung über einen anderen Anbieter kostet wenig und verhindert, dass ein DSL-Ausfall die ganze Sprechstunde stilllegt.

Backup mit Wiederherstellungstest: Ein Backup, das nie getestet wurde, ist kein Backup. Es ist ein Dokument mit unbekanntem Inhalt. Monatliche Wiederherstellungstests zeigen, ob das Backup im Ernstfall funktioniert, und decken Fehler auf, bevor sie relevant werden.

Klarer Incident-Response-Plan: Wer im Ausfall nicht weiß, wen er anrufen soll, verliert die ersten 20 bis 30 Minuten mit Versuchen und Rückfragen. Ein einseitiger Notfallplan mit drei Telefonnummern und einer Reihenfolge spart diese Zeit. Bei ITCC hängt dieser Plan als Ausdruck in jeder Praxis, die wir betreuen.

  1. Monitoring einrichten
    Automatisiertes Monitoring für Server, Konnektor, Backup-Status und Internetzugang. Alarm bei Abweichung, nicht erst wenn die MFA es bemerkt.
  2. Backup-Konzept prüfen
    Wann wird gesichert? Wohin? Wie lange wird aufbewahrt? Und wichtigste Frage: Wann wurde zuletzt eine Wiederherstellung getestet? Ohne Test ist kein Backup vertrauenswürdig.
  3. Redundanz planen
    Internet, Stromversorgung und Konnektor sind die häufigsten Ausfallpunkte. Für jede dieser Komponenten prüfen: Was passiert, wenn sie ausfällt? Gibt es einen Plan B?
  4. Notfallplan schreiben
    Ein Dokument, eine Seite, drei Kontaktnummern, eine Entscheidungsreihenfolge. Das Dokument wird ausgedruckt und hängt am Empfang, nicht nur digital gespeichert.

Was eine Verfügbarkeits-Garantie wirklich aussagt

Viele IT-Dienstleister werben mit Verfügbarkeitsgarantien. 99 Prozent, 99,5 Prozent, 99,9 Prozent. Was bedeutet das konkret?

99,9 Prozent Verfügbarkeit klingt fast perfekt. Rechnerisch sind das 8,76 Stunden erlaubter Ausfallzeit pro Jahr.

99,5 Prozent klingt noch gut. Rechnerisch sind das 43,8 Stunden pro Jahr. Das sind fast fünf Arbeitstage.

99 Prozent bedeutet 87,6 Stunden mögliche Ausfallzeit im Jahr. Fast elf Arbeitstage.

Was die Prozentzahl nicht sagt: Wann fällt die erlaubte Ausfallzeit an? Wenn alle 44 Stunden Ausfall nachts zwischen 2 und 5 Uhr stattfinden, ist das für eine Arztpraxis irrelevant. Wenn ein Teil davon auf Montagmorgen zwischen 8 und 10 Uhr fällt, ist das ein ernstes Problem.

Fragen Sie jeden Anbieter: Wie hoch ist die garantierte Verfügbarkeit während Ihrer Kernzeiten? Was passiert, wenn die Garantie nicht eingehalten wird? Gibt es Service Credits oder Vertragsstrafen? Wie wird die Verfügbarkeit gemessen und nachgewiesen?

Häufige Fragen

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