TI und Konnektor

Komfortsignatur für das eRezept einrichten: Stapelsignatur mit dem eHBA im Praxisalltag nutzen

So richten Sie die Komfortsignatur fürs eRezept mit dem eHBA ein und signieren bis zu 250 Rezepte mit einer PIN. Voraussetzungen, Ablauf, rechtssichere Nutzung.

Aktualisiert am 16.09.2026Lesezeit 9 Min.

Wer viele eRezepte am Tag ausstellt, will nicht bei jedem einzelnen die sechsstellige PIN am Kartenterminal eintippen. Genau dafür gibt es die Komfortsignatur. Dieser Artikel erklärt, was sie von der Stapelsignatur unterscheidet, was Sie technisch brauchen, wie Sie sie einrichten und was Sie zum Stand heute rechtlich und bei den Karten beachten müssen.

Was die Komfortsignatur ist und was sie bringt

Die Komfortsignatur erlaubt es, mit einer einzigen PIN-Eingabe am eHBA bis zu 250 Dokumente innerhalb von maximal 24 Stunden zu signieren. Der Heilberufsausweis bleibt dafür im Kartenterminal gesteckt. Jede einzelne Signatur lösen Sie danach im PVS per Mausklick aus, ohne die PIN erneut einzutippen.

Das ist der entscheidende Unterschied zur Einzelsignatur, bei der Sie für jedes eRezept die PIN am Terminal eingeben. Bei zwanzig Rezepten am Vormittag sind das zwanzig PIN-Eingaben. Mit der Komfortsignatur ist es eine. Die Zeitersparnis summiert sich über den Sprechstundentag deutlich, gerade in hausärztlichen Praxen und im MVZ mit hohem Verordnungsaufkommen.

Quelle: gematik Fachportalgematik: Komfortsignatur kurz erklärt, technische Grundlagen und Grenzwerte (250 Signaturen, maximal 24 Stunden).

Komfortsignatur oder Stapelsignatur: der Unterschied

Beide Verfahren sparen PIN-Eingaben, sie passen aber zu unterschiedlichen Arbeitsweisen. Bei der Stapelsignatur sammeln Sie mehrere eRezepte an und signieren den kompletten Stapel in einem Vorgang mit einer PIN-Eingabe. Bei der Komfortsignatur geben Sie die PIN einmal ein und signieren danach über Stunden verteilt einzeln, jeweils sofort beim Erstellen.

Die Stapelsignatur ist ideal, wenn Sie geplant und gebündelt arbeiten, etwa alle Folgerezepte am Ende der Sprechstunde. Die Komfortsignatur ist ideal für den laufenden Betrieb, wenn das Rezept direkt im Patientenkontakt fertig sein soll. Viele Praxen kombinieren beides. Die gematik schreibt vor, dass jedes PVS alle drei Verfahren anbieten muss, Einzel-, Stapel- und Komfortsignatur, damit Sie die Wahl haben.

KomfortsignaturStapelsignatur
Pro
  • Eine PIN-Eingabe für bis zu 250 Signaturen in 24 Stunden
  • Signieren einzeln per Mausklick, direkt im Patientenkontakt
  • eHBA bleibt gesteckt, an allen Arbeitsplätzen nutzbar
Pro
  • Große Mengen in einem Rutsch abarbeiten
  • Funktioniert ohne dauerhaft gesteckte Karte
Contra
  • Konnektor ab PTV4+ und mindestens zwei Terminals nötig
  • Sitzung endet beim Kartenziehen, dann PIN erneut
Contra
  • Signieren gebündelt, nicht direkt im Patientenkontakt
  • Sammeln und späteres Freigeben muss in den Ablauf passen

Was Sie technisch brauchen

Für die Komfortsignatur müssen vier Bausteine zusammenkommen: ein Konnektor ab der Ausbaustufe PTV4+, mindestens zwei Kartenterminals, ein aktivierter eHBA und ein PVS, das die Komfortsignatur unterstützt und in der aktuellen Version läuft. Fehlt einer davon, bleibt nur die Einzel- oder Stapelsignatur mit wiederholter PIN-Eingabe.

Im Einzelnen bedeutet das:

  • Konnektor ab PTV4+. Die Komfortsignatur wurde mit der Ausbaustufe PTV4+ eingeführt. Ältere Konnektoren beherrschen sie nicht. Ihr IT-Dienstleister oder das PVS zeigt Ihnen die installierte Version an.
  • Mindestens zwei Kartenterminals. Eines nimmt dauerhaft den eHBA auf, das andere liest die eGK der Patienten ein. Mit nur einem Terminal ginge das nicht, weil der eHBA für die Komfortsignatur gesteckt bleiben muss.
  • Aktivierter eHBA. Der elektronische Heilberufsausweis muss freigeschaltet und die Signatur-PIN gesetzt sein. Nur der eHBA erzeugt die qualifizierte Signatur, der Praxisausweis SMC-B kann das nicht.
  • PVS mit Komfortsignatur-Unterstützung. Ihr Praxisverwaltungssystem muss die Funktion anbieten und auf aktuellem Stand sein. Anbieter wie Medistar, Turbomed oder Z1 liefern das über Updates.

Quelle: KV Nordrhein: Elektronische Signaturverfahren, Voraussetzungen der Komfortsignatur

Komfortsignatur einrichten: Schritt für Schritt

Die Einrichtung folgt einer festen Reihenfolge: erst die Karte und die Hardware, dann die Konfiguration am Konnektor, zuletzt die Aktivierung im PVS und ein Test. Wer die Reihenfolge einhält, vermeidet die typische Situation, dass die Funktion im PVS erscheint, aber lautlos nichts signiert.

  1. eHBA aktivieren und PIN setzen
    Den eHBA über das Kartenterminal freischalten und die Signatur-PIN (QES-PIN) setzen, falls noch nicht geschehen. Ohne aktivierten eHBA und gesetzte PIN gibt es keine Signatur, auch keine Komfortsignatur.
  2. Zweites Kartenterminal bereitstellen
    Ein eigenes Terminal für den eHBA einrichten, damit die Karte dauerhaft stecken kann. Das zweite Terminal bleibt für die eGK der Patienten frei. Bei mehreren Ärzten braucht jeder ein eigenes eHBA-Terminal.
  3. Konnektor-Ausbaustufe prüfen
    Sicherstellen, dass der Konnektor die Ausbaustufe PTV4+ (Komfortsignatur) hat. Ist eine ältere Version installiert, muss erst aktualisiert oder der Konnektor getauscht werden.
  4. Komfortsignatur am Konnektor aktivieren
    In der Konnektor-Verwaltung die Komfortsignatur für den eHBA freischalten. Hier legen Sie auch fest, wie lange eine Sitzung maximal gilt, im Rahmen der zulässigen 24 Stunden.
  5. Funktion im PVS aktivieren
    Im Praxisverwaltungssystem die Komfortsignatur als Signaturverfahren auswählen und dem Arbeitsplatz beziehungsweise dem Arzt zuordnen. PVS auf aktuellem Stand halten, veraltete Versionen verursachen Fehler.
  6. Sitzung starten und Testrezept signieren
    Den eHBA stecken, die PIN einmal eingeben und ein Testrezept erzeugen und signieren. Läuft das sauber durch, ist die Komfortsignatur aktiv und Sie können in den Regelbetrieb gehen.

So läuft die Komfortsignatur im Alltag

Im laufenden Betrieb stecken Sie morgens Ihren eHBA in das dafür vorgesehene Terminal und geben einmal die Signatur-PIN ein. Danach signieren Sie jedes eRezept direkt im PVS per Mausklick, ohne die Karte anzufassen. Die Sitzung gilt an allen konfigurierten Arbeitsplätzen der Praxis, solange der eHBA steckt.

Das ist besonders in Mehrbehandlerzimmern und beim Wechsel zwischen Sprechzimmer und Anmeldung praktisch: Der Arzt muss nicht am Terminal stehen, um zu signieren. Wichtig ist nur, dass der eHBA gesteckt bleibt. Wird die Karte gezogen, etwa beim Verlassen des Hauses, endet die Sitzung sofort. Das ist kein Fehler, sondern Sicherheit, denn ein gezogener eHBA soll keine offene Signaturfreigabe hinterlassen.

Die Sitzung endet in drei Fällen: wenn Sie die Karte ziehen, wenn die konfigurierte Zeit oder die Höchstdauer von 24 Stunden abläuft, oder wenn die 250 freigegebenen Signaturen aufgebraucht sind. In allen drei Fällen genügt eine neue PIN-Eingabe, um weiterzuarbeiten.

Rechtssicherheit: jede Signatur ist eine QES

Die Komfortsignatur ist kein vereinfachtes Verfahren mit geringerer Beweiskraft. Jede über sie ausgelöste Signatur ist eine vollwertige qualifizierte elektronische Signatur (QES) und damit der eigenhändigen Unterschrift rechtlich gleichgestellt. Die einmalige PIN-Eingabe schaltet nur die Freigabe frei, verantwortlich signiert bleibt jedes eRezept durch Sie als Karteninhaber.

Genau deshalb ist die feste Bindung an den persönlichen eHBA so wichtig. Sie stellt sicher, dass jede Signatur einer bestimmten Person zugeordnet werden kann. Aus demselben Grund darf der eHBA nicht an Dritte weitergegeben werden, und die PIN gehört nicht auf einen Zettel am Monitor. Die Bequemlichkeit der Komfortsignatur ändert nichts an der persönlichen Verantwortung für jede einzelne Verordnung.

Wichtig zum Stand heute: RSA-Karten sind abgelöst

Zum Stand 2026-09-14 gilt eine Einschränkung, die viele Praxen direkt betrifft: Seit dem 1. Juli 2026 werden für die Signatur nur noch eHBA mit ECC-Zertifikat akzeptiert. Die reinen RSA-Karten der Generation 2.0 mussten bis zum 30. Juni 2026 gegen Karten der Generation 2.1 getauscht werden. Wer nicht getauscht hat, kann eRezepte weder einzeln noch per Komfortsignatur signieren.

Hintergrund ist die Umstellung der Telematikinfrastruktur vom älteren RSA-Verfahren auf das modernere ECC-Verfahren. Die gematik hatte die ursprüngliche Frist (31. Dezember 2025) im November 2025 um ein halbes Jahr auf den 30. Juni 2026 verlängert, weil der Kartentausch bei den Herstellern nicht schnell genug lief. Diese Frist ist inzwischen abgelaufen. Karten der Generation 2.1 tragen sowohl RSA- als auch ECC-Zertifikate und funktionieren weiter.

Quelle: KBV: Frist für Austausch von Arzt- und Praxisausweisen bis Mitte 2026 verlängert, kein Aufschub für ältere KonnektorenVerlängerung bekannt gegeben am 14.11.2025.

Getrennt davon zu betrachten sind die Konnektoren selbst. Für die rund 10.000 älteren, reinen RSA-Konnektoren gab es keine Verlängerung: Sie mussten bis zum 31. Dezember 2025 getauscht sein, weil eine Zertifikatsverlängerung bei ihnen technisch nicht möglich ist. Wenn Ihre TI-Anbindung noch auf einem sehr alten Konnektor läuft, gehört das ohnehin auf den Prüfstand. Die grundsätzliche Frage lokaler Konnektor gegen TI-Gateway haben wir im Beitrag TI-Anbindung: Cloud gegen lokal aufgearbeitet.

Wenn die Komfortsignatur nicht signiert

Wenn die Komfortsignatur klemmt, hilft eine feste Reihenfolge bei der Fehlersuche: erst die Karte, dann die Sitzung, dann der Konnektor. Die meisten Fälle klären sich in wenigen Minuten, weil die Ursache selten tief in der Technik liegt, sondern an einer abgelaufenen Sitzung, einer gezogenen Karte oder einem Zertifikatsproblem.

Die häufigsten Ursachen im Überblick:

  • Sitzung abgelaufen. Die 24 Stunden oder die konfigurierte Zeit sind vorbei, oder die 250 Signaturen sind aufgebraucht. Lösung: PIN neu eingeben.
  • eHBA gezogen. Die Karte wurde aus dem Terminal genommen, damit ist die Sitzung sofort beendet. Lösung: Karte wieder stecken, PIN eingeben.
  • Zertifikat abgelaufen oder RSA-Karte. Der eHBA ist abgelaufen oder es ist eine reine RSA-Karte der Generation 2.0, die seit dem 1. Juli 2026 nicht mehr signiert. Lösung: Karte der Generation 2.1 beschaffen.
  • PVS oder Konnektor nicht synchron. Nach einem TI- oder PVS-Update passen die Versionsstände nicht zusammen. Lösung: PVS-Patch einspielen, Konnektor-Status prüfen.

Manche PVS zeigen bei einer abgelaufenen Sitzung keinen klaren Hinweis, sondern erzeugen das eRezept einfach nicht. Wenn eRezepte ab einem bestimmten Zeitpunkt plötzlich fehlen, obwohl der Konnektor online ist, ist die abgelaufene Komfortsignatur-Sitzung der erste Verdacht. Klemmt gleichzeitig auch die eAU oder der eArztbrief, liegt es eher am Konnektor, dazu steht das Vorgehen unter TI-Konnektor offline: Sofortmaßnahmen.

Quelle: gematik Fachportalgematik Fachportal: technische Dokumentation zur Komfortsignatur und zu den Signaturverfahren im eRezept.

Wie ITCC bei der Komfortsignatur unterstützt

ITCC ist die externe IT-Abteilung für medizinische Einrichtungen in der Pfalz, der Region Rhein-Neckar und Rhein-Main. Bei der Komfortsignatur übernehmen wir die Teile, die im Praxisalltag Zeit kosten oder Fehler produzieren: die Prüfung der Konnektor-Ausbaustufe, die Einrichtung des zweiten Kartenterminals, die Konfiguration der Sitzungsdauer und die Aktivierung im PVS, bis das erste Testrezept sauber durchläuft.

Im laufenden Betrieb behalten wir die Ablaufdaten von eHBA und SMC-B im Blick und melden uns, bevor eine Karte abläuft oder ein Generationswechsel ansteht. Gerade der Wechsel von RSA auf ECC hat viele Praxen unvorbereitet getroffen. Wer die Kartengeneration und die Fristen im Griff hat, spart sich den plötzlichen Stillstand am Rezeptdruck.

Wenn Sie die Komfortsignatur einführen oder eine plötzlich streikende Signatur stabil bekommen wollen, sprechen Sie uns an. Wir schauen uns Ihre TI-Anbindung an und sagen Ihnen ehrlich, was zu tun ist.

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